Anfang

Alles beginnt mit den Händen einer Mutter. Tamara Vasylivna Stepanenko beobachtete von Kindheit an, wie ihre Mutter stickte — Gemälde, Handtücher, einfache Alltagsgegenstände, die durch eine einzige Berührung der Nadel zu Kunst wurden. Dieses Bild blieb nicht nur in der Erinnerung. Es zog in sie ein und wurde zu einer stillen inneren Stimme, die mit den Jahren immer sicherer wurde. Eines Tages wurde klar — das war nicht nur eine Leidenschaft. Das war ein Weg.

1985

Tamara Vasylivna leitet die Handelsstruktur der Ukrainischen Kunsthandwerke. Kunstratssitzungen, Arbeit mit Handwerkerinnen, ein erstes tiefes Eintauchen in die Welt des ukrainischen Handwerks. Hier offenbart sich das volle Ausmaß dessen, was in der Ukraine existiert — Hunderte von Techniken, Dutzende von Regionen, Jahrtausende alte Ornamente. Die Tradition lebt. Kraftvoll. Die Welt weiß es nur noch nicht. Aber das ist eine Frage der Zeit.

1989

Das Atelier öffnet. Das Team — Stickerinnen mit Fachausbildung. Später stößt Designerin Ljudmyla Vasylivna Schtscherban dazu — mit einem natürlichen Gefühl für Ornamente und einem untrüglichen Blick für Farbe. Gemeinsam beginnen sie systematische Arbeit — sammeln Techniken aus jeder Region der Ukraine, dokumentieren jede einzelne, reduzieren jede auf eine mathematische Formel. Über 100 verschiedene Techniken. Jede mit ihrer eigenen Logik, ihrem eigenen Muster, ihrem eigenen Charakter. Parallel dazu entsteht eine Sammlung: antike Kleidung, bestickte Gemälde, Handtücher — alles was gefunden werden kann. Aufbewahrt. Studiert. Weitergegeben. Schritt für Schritt entsteht ein Archiv — eines, das nirgendwo sonst auf der Welt existiert.

2000+

Ambiente, Мюнхен Die Ambiente-Messe in München — gemeinsam mit ihrem Sohn Serhiy. Die Ambiente ist der Ort, an dem sich das feinste Handwerk des Planeten versammelt. 160 Länder. Jedes zeigt, worauf es stolz ist. In jenem Jahr teilt die Ukraine einen Pavillon mit einigen anderen — zwei Quadratmeter, ein paar Vasen aus Dnipropetrowsk. Die gesamte Ausstellung wird schweigend durchgangen. Keine Kommentare. Aber innerlich — ist die Entscheidung bereits gefallen. Die Welt wird die echte Ukraine sehen. Nicht irgendwann. Bald.

2007

das Tuch der Nationalen Einheit Ein großangelegtes Projekt entsteht — das Tuch der Nationalen Einheit. Persönlich finanziert und koordiniert gemeinsam mit ihrem Mann Stepanenko Mykola Leontijowytsch. Fast ein Jahr Arbeit. Handwerkerinnen aus jeder Region der Ukraine — jede bringt ihr eigenes Ornament, ihre eigene Technik, ihr eigenes Land ein. Ein Tuch — und darin das ganze Land. Das fertige Werk reist durch die Welt. Dutzende von Ländern. Tausende von Menschen. Ukrainer in der Diaspora kamen, um es zu sehen — und für einen Moment verschwand die Distanz nach Hause.

2019

Anna und Mykola Gadzhaman überqueren zum ersten Mal die Schwelle des Ateliers. Mykola ist Tamara Vasylivnas Neffe. Sie sehen die Sammlung. Berühren die Werke. Bleiben vor dem Tuch stehen. Hören zu. Schweigen lange. Etwas in ihnen verändert sich — still, aber unwiderruflich. Es wird klar: Diese Arbeit muss weitergehen. Nicht als Museum. Nicht als Archiv. Sondern als lebendige Marke — zeitgemäß, relevant, für Menschen die das Echte schätzen. Die Herrin des Ateliers stimmt zu. So beginnt Gadzhaman.

Jetzt

Gadzhaman Gadzhaman ist der Familienname. Wir dachten lange darüber nach, wie wir die Marke nennen sollten. Und erkannten — der Name existierte bereits. Er lebt seit Generationen in der Familie. Tamara Vasylivnas Mädchenname ist Gadzhaman. Mykolaas Nachname ist ebenfalls Gadzhaman. Stepanenko Mykola Leontijowytsch erforschte die Wurzeln des Namens: Die Familie stammt aus der Region Kirowohrad, wo der Fluss Adschanka fließt. Vom Fluss — der Familienname. Vom Familienname — die Marke. Mit der Wahl dieses Namens wählten wir nicht einfach ein Wort. Wir wählten die Erde. Die Wurzeln. Die Verantwortung gegenüber denen, die nach uns kommen werden. Heute kreieren wir neue Kollektionen, arbeiten mit Handwerkerinnen und tragen ukrainische Stickerei in die Welt. Und im Jahr 2021 wurde unsere Tochter Sofijka geboren. Bereits mit drei Jahren begann sie sich für Stickerei zu interessieren und ihre ersten Stiche zu erlernen. Die Tradition setzt sich fort — und das ist vielleicht das Wichtigste.